Detroit: Become Human

 

Lange habe ich dem neuesten Werk von Quantic Dream entgegen gefiebert und was soll ich sagen.. Detroit: Become Human ist nicht nur grafisch eine Klasse für sich, sondern erzählt mit dem Spieler gemeinsam eine wirklich herausragende Geschichte, die zwar Makel aufweist, aber dennoch einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat.

 

David Cage der in seinen Spielen gerne mit dem Zusatz „written and directed by“ betitelt wird, hat nach großartigen Werken wie „Heavy Rain“ oder „Beyond: Two Souls“ wieder einmal gezeigt, dass das Genre des interaktiven Films hervorragend funktioniert und dazu noch jede Menge Spaß macht. Spaß ist hierbei ein sehr weitgreifender Begriff, denn auch im Leid der Charaktere oder der Begebenheiten der Geschichte war ich durchgehend fasziniert und angetan von Umsetzung und Inszenierung. In vielen Bereichen steht dieses Spiel dem Film, das große Vorbild der Macher, in nichts und damit meine ich wirklich in nichts nach. Auch wenn auf dieser Seite meist Titel behandelt werden die grafisch eher unscheinbar wirken, so hat mich alleine das Äußerliche dieses Spiels schlichtweg umgehauen! Noch nie zuvor habe ich eine solche Detailverliebtheit erlebt, noch nie habe ich mich selbst kopfschüttelnd erwischt, da ich nicht glauben kann wie ein Spiel so realistisch aussehen kann und noch nie habe ich Motion Capturing in solch einer Perfektion erlebt. Hier verwischen die Grenzen zwischen dem realen Leben und dem welches uns die Technik ermöglicht wie nie zuvor!

 

Wo wir gerade von den Grenzen des Realen und der Technik sprechen..

Detroit: Become Human spielt im Jahr 2038 in den USA. Genauer gesagt in Detroit. Durch ein Unternehmen namens CyberLife haben Androide in Millionen von Haushalten der USA einen festen Platz eingenommen. Von Verhalten und Aussehen sind sie dem Menschen so ähnlich, dass man sie, hätten sie nicht eine LED Leuchte an der Seite des Kopfes, nicht von realen Menschen unterscheiden könnte. Sie erledigen alle möglichen alltäglichen Aufgaben für ihre Besitzer wie Kochen, Einkaufen, Putzen oder das Betreuen ihrer Kinder. Spätestens hier wird dem Spieler klar, dass die Technik bereits sehr großen Einfluss auf die Leben der Menschen hat. Im Grunde genommen kann man das auch der heutigen Zeit anheften, aber welchen Einfluss hat der Mensch auf die Technik? In diesem Fall Androide. Das wechselseitige Verhalten führt uns im Laufe der Geschichte zu einer allumfassenden Frage. Wo beginnt Leben oder noch genauer – wann ist die Bedeutung von Leben gleichzusetzen mit dem eines Menschen?

 

Was hier sehr philosophisch klingt macht genau den Reiz dieses großartigen Spiels aus. Die durch den Menschen erschaffenen Androiden sind entwickelt um zu gehorchen. Unumgänglich – klar. Doch was passiert wenn genau Diese ein eigenes Bewusstsein in Form von Ängsten, Sehnsüchten oder dem eigenen Überlebenswillen entwickeln? Was wenn der Mensch durch sein Verhalten von Gewalt, Erniedrigung und Hass plötzlich auf ein Nein stößt. Ein Nein das jedoch von Wesen stammt, welche dem Menschen naturgemäß ergeben sein sollten..

 

Wir suchen und kreieren eigene Antworten auf dieses Thema durch 3 Androide, welche wir (oder sie uns?) durch die rund 30h dauernde Geschichte begleiten. Wie so oft in spielen von Quantic Dreams treffen die Storylines der Charaktere immer wieder zusammen und bedingen sogar stellenweise einander. Zum einen treffen wir Connor. Er ist gemacht und entworfen um einem Polizei Leutnant in seinen Ermittlungen zu helfen. Unglücklich ist nur, dass dieser rein gar nichts von Androiden hält und uns das zu jeder Zeit deutlich macht. Nichts desto trotz erschließen wir unglaublich viele beeindruckende Momente gemeinsam und möglicherweise, dies hängt von der Handlungsweise des Spielers ab, entsteht eine Art der Verbundenheit zueinander. Ein weiterer Charakter den wir spielen ist Kara. Sie sorgt sich um den Haushalt und das Kind eines drogenabhängigen, gewalttätigen Mannes der seine Laster auch gerne an ihr oder der Tochter auslässt. Spätestens hier kommt die große, stets philosophische Frage zum Tragen. Darf sich ein untergebenes Geschöpf auflehnen und dem Menschen widersetzen? Darf darf man sich den Befehlen entgegen stellen um sich und andere zu schützen? Im Verlauf von Kara werden wir immer wieder auf die Probe gestellt. Der besondere Reiz dieses Teils der Geschichte liegt sicherlich darin, dass wir dabei immer wieder nicht für uns, sondern für ein kleines Mädchen treffen müssen. Die Reaktion auf unser Handeln wird uns durch die kleine immer wieder direkt aufgezeigt, was das Spielen mit ihr nicht immer einfach macht. Zu guter Letzt treffen wir noch Markus. Er betreut einen alten Künstler und kümmert sich um alles mögliche. Im Gegensatz zu den anderen beiden erfahren wir hierbei Wertschätzung, ja fast schon ein familiäres Miteinander. Dieser ermutigt uns ein ums andere mal menschliche Denkweisen oder Ideen außerhalb des Programms eines Androiden zu entwickeln. Dies geschieht hierbei in einer solch großartigen Weise, dass ich wirklich beeindruckt war. Nicht nur von der Art und Weise, sondern auch von der Untermalung der Situationen durch den Soundtrack oder auch der unglaublichen Optik. Zum Leidwesen von Markus wird er recht schnell aus seiner Komfortzone raus gerissen und muss sich selbst, aber auch den Platz seiner Spezies neu definieren. Diese ist die vielleicht intensivste und einschneidendste Storyline des gesamten Spiels.

 

Wie immer versuche ich euch nicht all zu viel der Geschichte zu verraten, aber selbst wenn ich es wollte, es wäre mir nicht möglich! Was in anderen Spielen oft angepriesen wurde wird hier (meist) konsequent umgesetzt. Der Spieler entscheidet über den Verlauf der Geschichte. Zum ersten mal habe ich wirklich das Gefühl am Verlauf des Ausgangs Einfluss genommen zu haben. Natürlich sind auch hier die Storylines grob vorgefertigt, aber wir bekommen nach jedem Kapitel unsere Entscheidungen nochmals via Grafik aufgezeigt und stellen spätestens dort fest – es gibt tausende (!) unterschiedliche Ausgänge einzelner Situationen. Das große Ganze beeinflussen wir natürlich auch, so können unsere Charaktere sterben wie die vielen Nebencharaktere denen wir auf unserem Weg begegnen. Falls der Eindruck entsteht, dass es sich hier um Sandboxspiel handelt, so weit geht es dann natürlich nicht. Trotzdem habe ich mich dabei erwischt einzelne Kapitel neu zu starten um den jeweiligen Ausgang zu verhindern.

 

Dies zeigt mir mehrere Dinge deutlich auf. Detroit: Become Human hat es geschafft Charaktere zu entwerfen, welche mir, nach Möglichkeit eines Spiels, so viel bedeuten, dass ich es nicht übers Herz bringe sie sterben oder scheitern zu lassen. Detoit: Become Human hat es geschafft mich mittels der Steuerung an meine Grenzen zu bringen. Obwohl wir hierbei von Quicktime Events sprechen, also das schnelle drücken der richten Tasten zur richtigen Zeit, stand ich selten so unter Stress wie hier. Ich selbst bin kein großer Fan dieser Art der Steuerung, aber sie funktioniert hier wirklich gut! Wir begegnen unserem Gegenüber unbewaffnet – schnell X drücken um in Deckung zu gehen. Wir werfen einen Gegenstand nach ihm – den Curser des Controllers schnell nach unten bewegen. An und für sich nichts neues, jedoch passieren diese Dinge so schnell und oftmals unvorhersehbar, dass ich auf dem Sofa hin und her rutsche und fast schon erschöpft bin und nur noch hoffe lebend aus der Situation zu kommen. Zu erwähnen ist hierbei noch, dass wir die angezeigten Befehle stets an andere Stellen zu finden sind. Dieser Umstand erschwert das ganze ungemein. Zu guter Letzt – Detroit: Become Human hat es geschafft grundlegende Werte unserer realen Gesellschaft zu hinterfragen. Wo beginnt Leben und ab wann rechnet man diesem die selben Rechte wie uns Menschen ein? Sicherlich sind wir von Androiden noch weit entfernt, aber Themen wie Menschenrechte, die auch heute noch von Millionen mit Füßen getreten werden, (moderner) Sklaverei, Wertschätzung von Leben im allgemeinen. Wie lange darf sich der Mensch noch über jedes andere Wesen hinwegsetzen und darüber herrschen?

 

Dieses Spiel hält uns einen Spiegel vor und lässt uns die Entscheidung offen, ob wir an unserem Bild etwas ändern möchten, oder ob wir den eingeschlagenen Weg weiterhin mit all der Sturheit beschreiten wollen, welche tagtäglich Leid schafft. Danke dafür Quantic Dreams..!

 

 

Hier der Trailer und ein Bonusvideo - Leider nicht in 4K, aber ansatzweise kommt das Äußere des Spiels rüber ;)

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